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24.05.2022

Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft

„Das Handwerk im Landkreis Hildesheim kämpft sich aktuell durch konjunkturell stürmische Zeiten“ sagte Kreishandwerksmeister Matthias Zieseniß in der Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft am vergangenen Donnerstag in der Kupferschmiede in Hildesheim.
 
„Folgen der Corona-Pandemie, Material- und Lieferengpässe, drastische Preissteigerungen, Inflation, fehlende Fachkräfte und seit Ende Februar die Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine setzen dem Handwerk und mittlerweile auch der hiesigen Baukonjunktur zu", skizzierte Zieseniß.

Die zunehmenden Schwierigkeiten gerade im Baubereich sind deswegen beunruhigend, weil sich der Bau bislang über die Pandemie hinweg stets als stabilisierender Konjunktur-Anker erwiesen hat.
Der zu Jahresbeginn überall im Handwerk zu spürende Optimismus, im Jahresverlauf wieder zu alter Konjunkturstärke zurückkehren zu können, ist vor allem seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges weitgehend verflogen. Der Verlauf des Krieges und die damit einhergehenden Ungewissheiten bei der Lieferung und den Preisen von Materialien, Rohstoffen und Energie sind ein erheblicher Risikofaktor für die weitere Konjunkturentwicklung im Handwerk. „Bei der Mehrheit der Betriebe führt die Preisexplosion dazu, dass bestehende Aufträge unwirtschaftlich werden,“ beklagte der Kreishandwerksmeister.

Ausbildung im Handwerk – Eine erfreulich positive Tendenz!

„Die Pandemie hatte auch 2021 immer wieder mehr oder weniger Einfluss auf unseren Alltag. Quarantäne, Hybridunterricht und kurzfristige Änderungen bestimmten den Ausbildungs-Alltag,“ sagte Zieseniß. Und dennoch: die Ausbildungszahlen haben sich im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 erfreulich besser entwickelt. So ist die Zahl der neuen abgeschlossenen Lehrverträge im Bezirk der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen von 1192 auf 1315 gestiegen. Im Landkreis Hildesheim stieg zu Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von 428 auf 475. Dies waren 47 mehr – in Prozenten also 11 Prozent! Insgesamt werden 1209 Lehrlinge ausgebildet, dies sind allerdings etwas weniger als im Vorjahr (1244 Lehrlinge)

„Sehr hoch war leider die Zahl der vorzeitig gelösten Ausbildungsverhältnisse, sie lag im letzten Jahr bei 247 Abbrüchen,“ beklagte Geschäftsführer Reiner Wendlandt.
Getragen wird die Ausbildungsleistung auch weiterhin besonders von den drei großen Ausbildungsberufen Kfz-Mechatroniker/in, Elektroniker/in und Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik. In den drei genannten Berufen ist der Fachkräftebedarf auch ungebrochen groß. Erfreulich sind erneut die Zahlen der Tischler/innen mit einer Zunahme vom 7,1%.

Die große Integrationsleistung, die das Handwerk vollbringt, zeigt sich an der konstanten Zahl von 384 Lehrlingen mit ausländischer Staatsbürgerschaft.
Ein großer Anteil darunter sind Geflüchtete, die einerseits im Handwerk die Möglichkeit zur beruflichen Integration geboten bekommen und andererseits einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung im Handwerk leisten.

Die Kreishandwerkerschaft mit ihren Innungen wird auch weiterhin alles unternehmen, um neue Betriebe für die Ausbildung zu gewinnen und sieht darin eine zentrale Aufgabe für die Zukunftssicherung des Fachkräftenachwuchses im Handwerk. „Wir müssen weiter aktiv sein, um Nachwuchs zu gewinnen,“ sagte der Kreishandwerksmeister und verwies auf den Tag des Handwerks, der am 13. Juni 2022 in Hildesheim stattfindet.

Zu Beginn der Versammlung überreichte Kreishandwerksmeister Matthias Zieseniß zwei neu gewählten Obermeistern die Ernennungsurkunde des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) mit dem Handwerkszeichen. Inga Steinmann ist neue Obermeisterin der Büchsenmacher-Innung Niedersachsen. Erk Dethelfsen ist der neue Obermeister der Dachdecker-Innung Alfeld.


Kreishandwerksmeister Matthias Zieseniß (links) mit den neuen Obermeistern: Inga Steinmann (Büchsenmacher-Innung) und Erk Dethelfsen (Dachdecker-Innung Alfeld)